Puzzlefaces

Mein liebstes Spiel in der Metro: Gesichter anschauen. Faszinierend, wie unterschiedlich Menschen aussehen können, und doch sind sie alle eindeutig Menschen! Und hier mischen sich so viele Rassen und Kulturen, dass jedes Gesicht ein kleines Rätsel ist.

Ist der Schwarze dort drüben ein Neuimmigrant aus einer ehemaligen französischen Subsaharakolonie? Oder sind seine Urgroßeltern vor der Sklaverei aus den USA geflohen? Ist die braunhäutige Mandeläugige neben mir Latina? oder Halbasiatin? oder Nachfahrin kanadischer Ureinwohner (die hier politisch korrekt “First Nations” genannt werden müssen)? Manchmal würde ich am liebsten nachfragen, aber das ist hier so ziemlich der größte Fettnapf, in den man springen kann, es gehört sich einfach nicht - und schon gar nicht bei “visible minorities”, wo schon allein die Feststellung der “visibility” einen Ansatz von Rassismus befürchten lassen könnte. Ganz schön kompliziert…

Aber auch die weißen Gesichter sind faszinierend. Zum Beispiel die rothaarigen Pausbäckigen, zumal wenn sie dann auch noch englisch mit hübschem irischen Akzent sprechen. Oder die schmalen Frauengesichter, wie man sich auch auf den Champs Elysées finden würde. Und am spannendsten finde ich die Leute, die ich mir problemlos hundertfünfzig Jahre vorher als Trapper und Pelzjäger vorstellen kann, oder noch besser: als bretonischen Bauern des 17. Jahrhunderts. Schade, dass ich nie erfahren werde, wer von diesen Menschen tatsächlich von den ersten französischen Einwanderern abstammt!

So viele Menschen, so viele Lebensläufe, so viele Geschichten. Was es da alles zu erzählen gäbe!

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