Ein Wiedersehen

Heute habe ich unverhofft einen Meilenstein im Heimisch-werden erreicht. Dazu muss ich allerdings ein bisschen weiter ausholen:

Gestern abend habe ich auf dem Weg zur Orchesterprobe die Papeterie in der Nähe der Métrostation aufgesucht, weil ich für meinen Französischkurs, der nächste Woche beginnt, Hefte brauche. Die Kassiererin sprach mich an, ob ich da eine Geige hätte. (Bekanntlich nein, aber wer kennt schon Bratschen…) Und dann habe ich mich 10 Minuten lang nett mit ihr über Musik unterhalten, während wir darauf warteten, dass das unter Schluckauf leidende Kartenlesegerät endlich meine Bankkarte akzeptierte. Alles auf Französisch, und ich bin kaum hängengeblieben - schon das war ein richtiges Erfolgserlebnis.

In der Probe hatte ich dann den Eindruck, dass mein Stimmstock sich gefährlich verstellt hätte. Und weil ich ohnehin auch noch einen neuen Kinnhalter brauche (der alte hat einen Sprung und quietscht beim Spielen), bin ich heute zum Geigenbauer gefahren. Ich sitze also mit meinem ganzen Kram im Bus und lese, da spricht mich jemand von der Seite an, ob ich denn heute schon wieder eine Probe hätte. Da war das die Frau aus der Papeterie, und dank des Bratschenkastens hat sie mich wiedererkannt.

Grandios. Jetzt bin ich noch keine zwei Monate hier, und schon treffe ich jemanden im Bus, den ich kenne (oder zumindest beinahe)! Womit mal wieder bewiesen wäre, dass auch Großstädte keine Großstädte sind, sondern nur dichte Ansammlungen von Kleinstädten und Dörfern. Willkommen in Rosemont/La Petite Patrie!

(An dieser Stelle besondere Grüße an Dorothee, sie weiß warum…)

Eine Antwort zu “Ein Wiedersehen”

  1. Christian sagt:

    Aha, da bewahrheitet sich mal wieder die alte Erkenntnis, dass Cäcilie alle Leute kennt ;-)
    Jetzt habe ich mich ja lange nicht gemeldet (anders beschäftigt *g*) - aber ich genieße gerade so richtig die Lektüre Deines Blogs. Da wird Kanada richtig lebendig, und auch ganz allgemein ist es ein Lesevergnügen. Da wartet man ja schon richtig auf weitere literarische Druckerzeugnisse…als kleinen Ausgleich dafür, dass die Bratschenfraktion unseres Kirchenorchesters nun regelrecht zusammengeschnurrt ist ;-(
    Liebe Grüße aus Wiesloch
    Christian

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